Historie
Auszug aus dem Korrespondenzblatt der schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde
(Heft Nr. 3 aus dem Jahr 1943)
Fasnacht in Arth von dazumal (1870 – 1885)
Von Jakob Rickenbach, Arth
„…Wie alles auf dieser Welt, so wechseln auch die Gebräuche.
Die Fastnacht in den 1870er und 80er Jahren war viel lebhafter und wurde viel intensiver durchgeführt,
als jetzt, 1937.
Eine Auswahl von Masken hatte man damals noch nicht, aber dafür noch die dauerhafteren, die hölzernen,
einzelne sehr schön geschnitzt, andere dagegen schreckliche Grimassen. Die meisten waren nicht der
Gesichtsfarbe entsprechend sondern eintönig gefärbt oder mit Querstreifen über Augen und Mund. Die von
uns Jungen gefürchteten Masken waren die s.g. „Holzschuohmaschggärä“ und der „Tüfel“. Die Holzschuoh-
maschgärä war in Farbe gelbgrau, nur flächig, blockartig geschnitzt, ohne Schnurrbart; sie glich mit dem
offenen Mund und den hohlen Augen einer Totenmaske. Diese wurde meistens zu der Sennttrichlä
getragen, ebenso der Tüfel. Derselbe wurde auch sehr oft zum Waldbruder getragen. Der Tüfel war eigentlich
eine Halbmaske mit gewölbter Stirn, zwei furchtbar grossen Augen, mächtiger Nase, wulstigen Lippen mit
heraushängender Zunge und einem dreieckigen Geissfell als Bart.
Sie machte einen furchterregenden Eindruck, und ich erinnere mich noch, wie wenn es heute wäre: da kam um
den Klausabend herum ein Schmutzli in unsere Stube mit dieser Maske angetan und einem Z’Opfermantel
um sich. Den Opfermantel trug man früher zum z’Opfergehen.
Herrgott bin ich erschrocken. Ich fuhr auf unsere Bäsi (Tante) los und habe sie samt dem Spinnrad, an dem sie
sass, umgerissen. Das war die Ursache, dass sich der Schmutzli nicht halten konnte und herauslachte.
Da hab ich ihn am Lachen erkannt, es war `s Fides Pistöni, Pius Anton Kamer, mein Cousin sel.
Es sind leider alle Holzmasken bis auf eine verbrannt worden. Die eine, die schönste hat eben dieser Pius Kamer
vom Melki sel. geschenkt bekommen. Dieselbe hatte sehr schönes Kruselhaar, geschnitzt und ein ganz
ansprechendes Gesicht.
Die übrigen waren meist in verschiedener Grösse über den gleichen Leist geschnitzt, einfärbig rot mit grünen
Streifen über Augen und Mund. …“

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„…Die Fastnacht war damals ein Hauptfreudentag im Jahr und wurde wie bemerkt viel lebhafter gefeiert, da
damals noch nicht so viele Sportvereine bestunden, und ein einziger Vereinsabend abgehalten ward, der
Cäcilienabend.
Das Maskengehen war nachts verboten, man durfte nur bis 8 Uhr abends laufen. Dafür gings aber nach dem
Morgengottesdienst los. Und es „riegelte“, dass einem Sehen und Hören verging. Es ist vorgekommen, dass sie
schon morgens um 5 Uhr „Driussä“ gingen. Ja, wir sind, als auch ich in dem Alter war, zweimal nachts um 12 Uhr
Masken gegangen, haben Larven angehabt und sogar Kräpfli ausgeworfen, obwohl keine Menschenseele auf der
Strasse war. Natürlich wurde dazu getrommelt, dass einige ans Fenster kamen und andere vielleicht im Bett unter
der Decke fluchten.
Einmal sind wir vom Rössli aus und das anderemal bei M. Mitterer im Frohsinn drunten, nach einem Theaterabend,
auf den 1. Fastnachtstag hinein gelaufen. Um unsern, d.h. den Kronengarten herum, war eine 2 Schuh dicke, fast
mannshohe Mauer, obenauf mit Plattensteinen von immenser Dicke, Länge und Breite belegt.
Wir „zekeneten“ (Fangspiel) immer auf derselben herum im Galopp, und die Steine waren von dem vielen darauf
herumlaufen ausgehöhlt, wie Bonnivars Fusstritte im Schloss Chillon.
Auf dieser Mauer standen oder hockten wir am Fastnachtsmorgen, gafften immer ans Fenster hinauf bei „Negelers“
und schrien immer wieder:
„Hudi umä, jo, jo, jo.“
Der Melki oder „Negeler“, wie er im Volksmund genannt wurde, ein schlauer Patron, nahm hin und wieder eine Maske
herein, da hiess es gleich:
„Ohä, scho wieder äs Gwändli b’stellt, er het a Maschggära inä gnu….“
Ob Schnee ob Eis, das war uns egal, auf der Mauer waren wir von Dreikönigen an immer zu finden, da von selben Tag
an die Masken heraus kamen….“
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„… Melki wirtete nämlich, und so gingen viele am Morgen zu ihm.
Wenn wir auf der Mauer sassen, frugen wir alle Augenblicke:
„Chömmits nu nid?“
Melki sagte immer:
„Gönd go luogä, öpp Kilä us ist.“
Sobald „Mess-aus“ geläutet wurde, da „riegelte“ es los. Die sichersten drei Masken waren immer: d’Sennttrichlä, de
Waldbruoder und z’chli Chlöpfli.
Der Waldbruder hatte einen langen, schwarzen Talar, vielmals einen „Hälsig“ um den Bauch, einen alten Tornister auf
dem Rücken und einen groben Stock.
Die Sennttrichlä hatte das schlechteste Rollenkleid, an einem Strick eine grosse Sennttrichlä um den Bauch gebunden
und ebenfalls einen Stock oder Chnüttel.
Das chli Chlöpfli hatte kein besseres Kleid als die Sennttrichlä, ein uraltes Rollenkleid und an einem Hälsig eine Rolle.
Die Sennttrichlä hatte als Kopfbedeckung oft einen alten Spitzhut.
Diese drei trieben meistens Schindluderei mit den Kindern und auch mit den Mädchen, wenn grad welche auf der Strasse
waren. Am Morgen liefen immer so 20 – 30 Masken, das heisst Hudi aller Art, meistens Rollenkleider. Das riegelte, dass
einem Hören und sehen verging. …“
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„… Damals war das Kräpfliauswerfen noch Mode. Jedes Hudi hatte solche, und in den schlechtesten Kleidern waren oft
reiche Herren versteckt, die engros auswarfen.
Damals waren noch die Tyroler üblich. Zu einem Tyrolerkostum gehörten ein bis zwei lange Rollengürtel und Besen. Die
Rollenkleider und Tyroler hatten damals extra verfertigte Besen mit Tannästchen oben am Stiel, die schön rund zuge-
schnitten waren.
Wir sahen oft tagelang zu wenn der Melki oder ein Tagelöhner die Besen für die Rollenkleider zurecht machten. Dann waren
auch der sogenannte Ratsherr eine bekannte Figur unter den Masken und die alten Weiber. …“
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„… Es gab einige, die damals den Narrentanz prima tanzten. Man war meist auf den Fussspitzen, es ging im Dreitakt:
derräm, derräm, derräm – dem derr remderäm, derr rräm derr räm derr rrämdem usw.
Auf die ersten 3 warf man die Füsse links oder rechts hinaus, wie die Kosaken beim Tschardas, auf die Absätze, trippelte
und drehte sich im Takt schnell herum, fing wieder von vorne an, und jeder machte nach seinem Können einige Pointen. …“
Die Figuren